Geschlechtersensibilität und der bewusste Einbezug von Geschlechtervielfalt können die Wirksamkeit von Gesundheitsförderung und Prävention erhöhen (WHO 2009, 2011, FGÖ 2020). In der Praxis werden Gesundheitsangebote jedoch oft „geschlechtsneutral“ konzipiert, sodass sie nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erreichen. Unterschiedliche Rollenbilder, Lebensrealitäten und Zugangsbarrieren beeinflussen die Wahrnehmung und Nutzung dieser Angebote. Werden Vielfalt und Geschlechtersensibilität nicht berücksichtigt, bleiben Potenziale ungenutzt und Maßnahmen verfehlen ihre Zielgruppen.
Was heißt das konkret in unserer Arbeit? Geschlechtersensibilität zeigt sich entlang des gesamten Projektzyklus: in einer differenzierten Zielgruppenanalyse, in inklusiver Sprache und vielfältigen Bildwelten, in passenden Formaten (Ort, Zeit, Rahmenbedingungen) sowie in Reflexion und Qualitätssicherung. Ein Beispiel: Ein Angebot, das nur zu klassischen Bürozeiten stattfindet oder in der Kommunikation stark auf Selbstoptimierung setzt, kann bestimmte Gruppen systematisch ausschließen. Geschlechtersensibles Projektdesign plant solche Barrieren von Beginn an mit.
Zur praktischen Unterstützung eignen sich Gender-Checks und Checklisten, die Orientierung geben und Verbesserungspotenziale sichtbar machen. Ein Instrument ist die Checkliste der GÖG/FGÖ „Gendersensible Betriebliche Gesundheitsförderung“ (17 Kriterien, 62 Fragen): FGÖ Wissensband 16
Mitarbeiterinnen des IfGP haben 2025 den Train-the-Trainer-Lehrgang „Geschlechtersensibles Gesundheitssystem“ absolviert. Damit stärkt das IfGP seine Kompetenzen in geschlechtssensibler Beratung, Projektentwicklung und Qualitätssicherung.
Geschlechtersensibilität und die Anerkennung von Geschlechtervielfalt sind keine Zusatzaufgabe, sondern ein Qualitätsmerkmal zeitgemäßer, wirksamer und chancengerechter Gesundheitsförderung und Prävention.