Als die Weltgesundheitsorganisation 1986 die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung verabschiedete, war das Internet noch Zukunftsmusik. Heute gehört digitale Gesundheit zum Alltag: Im Jahr 2024 nutzten rund drei Viertel der österreichischen Bevölkerung (77 %) gesundheitsbezogene digitale Geräte, Angebote oder Apps.
Die Chancen: Gesundheit jederzeit und überall
Digitale Angebote haben klare Stärken. Sie sind unabhängig von Ort und Zeit verfügbar, lassen sich vergleichsweise kostengünstig umsetzen und können an die persönliche Situation angepasst werden.
Die Schattenseiten: Wirkung unklar, Design mit Nebenwirkungen
Gesundheits-Apps unterliegen keiner Regulierung. Ob sie tatsächlich wirken, ist oft nicht belegt, und auch beim Datenschutz gibt es Bedenken. Hinzu kommen sogenannte „dark patterns“. Gemeint sind Gestaltungselemente wie automatisch startende Videos oder endloses Scrollen, die Nutzende möglichst lange binden sollen. Algorithmisch personalisierte Inhalte dienen zudem häufig kommerziellen Interessen.
Was es braucht: Strukturen statt nur Apps
Die Autoren stellen fest, dass sich digitale Gesundheitsförderung bisher vor allem an den einzelnen Menschen und ihr Verhalten richtet. Digitale Lösungen für Gemeinschaften, für Lebenswelten wie Schule, Betrieb oder Gemeinde und für eine gesundheitsfördernde Politik sind kaum entwickelt. Chancengerechtigkeit lässt sich aber nicht allein mit Apps herstellen. Sie braucht Zusammenarbeit über Politikfelder hinweg, etwa indem digitale Gesundheitskompetenz im Bildungssystem verankert wird.
Das gilt auch für die nächste Welle: Generative KI eröffnet nach Einschätzung der Autoren neue Möglichkeiten in allen Bereichen der Gesundheitsförderung. Sie muss aber kritisch geprüft werden, gerade im Hinblick darauf, wem sie nützt.
Die Frage „Wer profitiert?“ sollte deshalb am Anfang jedes digitalen Gesundheitsangebots stehen, nicht erst am Ende.